Webdesign – ist das noch mein Lieblingsjob?

Ich muss gestehen, gerade in diesen Sommertagen kommt bei mir die Frage hoch: Webdesign – ist das noch mein Lieblingsjob?

Also, liebe Annette, du gibst mir jetzt mit deiner Blogparade den nötigen Anstoß, das genauer unter die Lupe zu nehmen. Dafür schon jetzt mal ein dickes Dankeschön 🙂

Warum eigentlich Webdesign?

Mein Weg zur Webdesignerin war ein Quereinstieg, nicht anders möglich als Kind der 60er Jahre. Fremdsprachen – Englisch und Portugiesisch – waren mein Fach. Texte übersetzen fand ich toll. Liedtexte meiner englischen Lieblingssongs zu verstehen, waren mal mein Antrieb, diesen Beruf zu ergreifen. Ich wurde Sprachmittlerin – so nannte man den Abschluss in der damaligen DDR. Gearbeitet habe ich jedoch meistens als Fremdsprachensekretärin. Das war definitiv NICHT mein Lieblingsjob. Die meisten Chefs reduzierten dieses Berufsbild auf Abtippen, Telefonfräulein, Vorzimmerdame (Ich weiß, dass der Beruf der Sekretärin anspruchsvoll und sehr interessant sein kann). Chronische Unterforderung und Unzufriedenheit trieben mich regelrecht dazu den Job zu kündigen.

Das Internet-Fieber hatte mich längst erfasst. Nebenberuflich belegte ich einen Online-Redakteur-Kurs. Erste Schritte in HTML, eine kleine Website erstellen, Artikel für das Web schreiben – das war hoch spannend. Kreativität, Sinn für Formen und Farben, Gestalten – das lag mir auch. Das wusste ich.

Sprachen und Programmiersprachen – da gibt es viele Parallelen. Semantische Fehler kann man sich auch beim Programmieren nicht erlauben. Und ohne Englisch ist man in der Internetwelt schnell am Ende mit seinem Latein 😉 In einer Weiterbildung durfte ich die Grundlagen in HTML, Javascript, Photoshop, Illustrator, Flash erlernen. Danach habe ich mich sofort als Webdesignerin selbständig gemacht. Und habe meinen neuen Beruf von Anfang an heiß geliebt.

Nicht nur Webdesign

Ein Website-Projekt komplett zu betreuen: von der Konzeption über die Gestaltung bis zur Umsetzung/Veröffentlichung, Suchmaschinenoptimierung. Der direkte Kontakt zum Kunden. Immer wieder neue Geschäftsfelder kennenlernen – das alles ist für mich ein sehr spannender Prozess.

Die Rundumbetreuung, nicht nur das professionelle Abwickeln des Projekts, sondern z. B. auch mal technische Sachverhalte mit einfachen Worten für den nicht so Internet-affinen Kunden erklären können oder die Beratung zur Auswahl des richtigen Hostingpakets, das Einrichten der E-Mail-Adressen, Unterstützung bei der Findung eines geeigneten Domain-Namens – auch diese Dinge machen meine Tätigkeit aus und dürfen meine Kunden von mir erwarten.

Eine Website möchte langfristig betreut werden. Suchmaschinenoptimierung ist eine Sache, die ständige Aktivitäten erfordert. Eine Zusammenarbeit über längere Zeit. Da muss Vertrauen wachsen, da muss Wohlfühlatmosphäre da sein.

Und last but not least: Die Website hat nach wie vor die Printwerbung nicht verdrängen können. Imagebroschüre, Werbeflyer und andere Drucksachen bestellen meine Kunden auch bei mir. Denn das Gesamtbild soll stimmen.

Das Internet-Karusell dreht sich weiter

Das Tempo der Neuentwicklungen im Internet ist rasant, das ist in den letzten Jahren gefühlt immer schneller geworden. Schon wieder ein Update fürs Redaktionssystem, neue Social Media Trends, wechselnde SEO Algorithmen, Responsive Webdesign für immer wieder andere Endgeräte, und und und.

Das erzeugt natürlich auch Gegenbewegungen: Plötzlich sehne ich mich nach Zeichnen und Lettering, nach dem Malpinsel und dem Garten. Sportlich zieht es mich auf die Yogamatte und nicht mehr so sehr zu Zumba-Rhythmen (das Tanzbein zuckt dennoch – gestern habe ich einen Flamenco-Workshop gebucht!). Das geht ja nicht nur mir so.

Andererseits: Ich lerne gerne Neues. Das finde ich spannend. Da fühle ich die Herausforderung. Ich brauche nur mal wieder eine umwerfend schick und clever designte Website zu finden und bin wie berauscht (ehrlich!) und erlebe einen Motivationsschub ohnegleichen.

Zum Glück finde ich für meinen Lieblingsjob – denn das ist meine Selbständigkeit mit seinen vielen Facetten – jederzeit das nötige Know How im Internet. Die aktuellsten technischen Entwicklungen kann ich im Internet finden und erlernen. Und da ist mein Beruf wirklich einmalig. Der Urgedanke des Internet – das Verlinken und Teilen – er lebt. Die Community ist ungebrochen freigiebig im Teilen von Wissen und Entwicklungen. Deshalb nur ist diese rasante Entwicklung möglich. Der Austausch von Wissen, das Offenlegen von Quellcode, Initiativen wie Open Source oder GNU sind  Triebfedern. Und dann wären da noch Netzwerke wie die webgrrls, Mailinglisten wie die i-worker und natürlich der Austausch über facebook, twitter & Co.

Als Webdesignerin technisch up-to-date  zu bleiben, macht wohl Mühe, ist jedoch ebenso spannend. Ohne so faszinierende Neuerungen wie z.B. das iPhone wäre mein Lieblingsjob Webdesign doch nur langweilig!
Also, was kommt als Nächstes?

Foto: ©  istockphoto julos

 

 

One thought on “Webdesign – ist das noch mein Lieblingsjob?

  1. Sehr schön beschrieben, wie jemand zielstrebig seinen Weg geht und seinen Interessen folgt. Beim Lesen habe ich einige Parallelen zu mir gefunden betreffend der Interessen.

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